So testet CAR&HIFI
Bei jeder Testgerätekategorie vom Car-HiFi-Lautsprecher bis zum Navigationssystem gilt,
dass alle Testgeräte über alle Stationen des Testablaufs vom Auspacken über das Testen in
Labor und Praxis vom Tester selbst betreut werden. Nur das komplette Handling ermöglicht
fundierte Tests aus erster Hand. Es ist wichtig, dass der Tester merkt, wie die Geräte auf
Testsignale reagieren - dass er sie im wahrsten Sinne des Wortes begreift. Zwar lässt sich
der Testablauf in die Bereiche Messlabor und Praxistest einteilen, doch ist gutes Testen mehr
als Messwerte produzieren und Höreindrücke schildern.
Was wird getestet?
In unseren Messlabors, den Testräumen und -fahrzeugen werden alle im Markt vorkommenden
Typen von Car-HiFi-Geräten getestet. Lautsprecher, Subwoofer, Endstufen, Autoradios,
Navigationssysteme, Freisprechanlagen, Monitore, Prozessoren, DVB-T-Tuner und andere Produkte
werden in jeweils eigenen Testroutinen nach detaillierten Kriterien beurteilt.
Elektrische Messungen
Im elektronischen Testlabor werden bei Autoradios, Endstufen und ähnlichem alle
klangrelevanten Messdaten aufgenommen. Wichtige Messwerte sind z.B. Leistung, Klirrfaktor,
Rauschabstand und Dämpfungsfaktor. Die Testhardware ist das Audio Precision System One,
ein seit Jahren bei uns und auch in der Industrie bewährtes Messsystem. Zur Überprüfung
verwenden wir außerdem noch ein Oszilloskop, das das zu messende Signal optisch darstellt.
Die 13,8-V-Spannungsversorgung ist dreistufig ausgeführt. Die Basis ist ein 100-Ampere-Netzteil,
welches von einer Batterie gestützt wird, um sicherzustellen, dass jederzeit genug Strom zur
Verfügung steht. Zwischen diesen beiden Spannungsquellen und dem Testobjekt ist außerdem noch
eine Helix Power Station XXL. Dieser Spannungsstabilisator stellt absolut saubere Gleichspannung
sicher und erlaubt zudem, die Versorgungsspannung der zu testenden Endstufe zu variieren. So kann
getestet werden, ab welcher Spannung das Testobjekt abschaltet.
Die Ausgangsleistung wird über eine Bank von 4-Ohm-Lastwiderständen Reohm 55/2000/4 ermittelt.
Die Dauerbelastbarkeit liegt jeweils bei 2 kW auf 30 Sekunden bei 10 kW pro Widerstand.
Der Test für den Dämpfungsfaktor muss, um vergleichbar zu sein, mit
äußerster Präzision durchgeführt
werden. Wir verwenden dazu immer dieselben, für diese Messung optimierten Messkabel,
da bereits kleinste Änderungen des Kabelwiderstandes die Werte verfälschen würden.
Alle Messwerte werden nach einem vorgegebenen Testschema in Noten umgerechnet. Am Ende entsteht ein
Testprotokoll, das stets nachvollziehbar ist und die Noten der Labortests transparent macht.
Akustische Messungen
Vor dem eigentlichen Messprozedere werden Lautsprecher eingespielt, um Bauteile wie Schwingspulen
oder Membranaufhängungen, die fabrikneu noch nicht ihre endgültigen Eigenschaften aufweisen, in
einen Zustand wie nach längerem Gebrauch in der Praxis zu überführen. Dies geschieht bei
Tieftönern und Subwoofern durch Einspielen mit einem tieffrequenten Sinussignal über einen
Zeitraum von 24 Stunden mit dem für den jeweiligen Lautsprecher passenden Pegel. Bereits hier
lassen sich erste Erkenntnisse gewinnen, z.B. über die Kraft der Membranbewegung, über die
Hubfähigkeit oder über eine korrekte Zentrierung der Testlinge. Hochtöner werden von Hand
eingespielt, mit wechselnden Frequenzen und Pegeln je nach Lautsprecher. Nach einer Abkühlphase
auf Raumtemperatur können die Messungen beginnen.
Die Messungen zur Ermittlung von Impedanzverlauf und Thiele-Small-Parametern finden ohne Gehäuse
und Schallwand statt. Die akustischen Messungen finden im Messraum mit den Abmaßen 8 x 8 x 6 m statt,
wobei das Messobjekt mit einem Hubwagen in dessen Mitte platziert wird. Dazu werden die
Einzellautsprecher von Komponentensystemen in eine IEC-Normschallwand von 1,35 x 1,65 m mit
angeschlossenem 1.000-Liter-Gehäuse montiert. Bei einem Mikrofonabstand von 50 cm werden
Messungen von Amplitudenfrequenzgang auf Achse und unter Winkel, Sprungantwort, Zerfallsspektrum
(Wasserfall), Verzerrungs- (K2, K3) und Kompressionsmessungen bei verschiedenen Pegeln
durchgeführt. Die Messungen werden sowohl mit als auch ohne Frequenzweiche ausgeführt.
Bei Subwoofern erfolgen die Messungen im Gehäuse. Die Kennschalldruckbestimmungen finden
unter Normbedingungen (1 W, 1 m) statt, Frequenzgänge und Maximalpegel werden am Boden per
Grenzflächenmessung aufgenommen.
Für die Tests im Messlabor stehen mehrere Verstärker je nach Einsatzzweck zur Verfügung.
Zum Einschwingen von Subwoofern kommen PA-Endstufen zum Einsatz, für die Messungen von
Amplitude und Klirr werden verzerrungsarme HiFi-Verstärker benutzt, während Subwooferpegel
je nach Gerät mit speziellen Car-HiFi-Endstufen aufgenommen werden. Je nach Pegelbereich stehen
Messmikrofone u.a. von Microtech Gefell zur Verfügung. An Messsystemen stehen zum Einsatz bereit:
Kirchner ATB Pro, Clio, DAAS32 und diverse mobile Systeme.
Ablauf der Hörtests im Testraum
Hörtests von Komponentensystemen finden in einem der Testräume statt. Tief- und
Mitteltöner werden in Testgehäuse montiert, Hochtöner sind beweglich angebracht, so
dass sie auf den Tiefmitteltongehäusen verschoben und gedreht werden können. Für jedes
System wird ein optimales Setup aus Lautsprecheranordnung und Frequenzweicheneinstellung
durch Hörvergleich ermittelt, dabei werden die Tieftöner unter Winkel gehört und die
Hochtöner nach Bedarf ausgerichtet. Der Hörtest wird im Nahfeld mit einem Hörabstand von
ca. 2 m durchgeführt. Der Hörtest von Autoradios und Endstufen findet über Referenzmonitore
statt. KFZ-spezifische features wie beispielsweise Laufzeitkorrektur werden im Fahrzeug getestet.
Subwoofer werden im Kofferraum eines Fahrzeugs der Golf-Klasse getestet, hier werden ebenfalls
Position, Frequenzweicheneinstellung und Polarität durch Hörvergleich bestimmt. Mit den so
ermittelten Setups werden die Hörtests in der Regel mit mehreren Hörtestern durchgeführt, wozu
die jeweiligen Klassenreferenzen zum Vergleich mit den Testgeräten herangezogen werden.
Referenzgeräte und Testsoftware
Für die Hörtests stehen jeweils Referenzanlagen zur Verfügung. Der Tester hat
die Möglichkeit, die Anlage aus dem Fundus an Referenzgeräten zusammenzustellen. Eine Anlage
zum Test von Komponentensystemen kann zum Beispiel aus Quelle Pioneer DEX-P90RS und Endstufe
Brax X2000 GE bestehen, zum Vergleich wird Endstufe Ground Zero Reference 4 angeschlossen. Als
Stromversorgung dient ein Mundorf-200-A-Netzteil mit Stützbatterie und Helix Power Station.
Die Testsoftware besteht aus einem ständigen Fundus aus Referenz-CDs wie den
CAR&HIFI-Hörcheck-CDs und einigen exzellent aufgenommenen Referenz-CDs. Besonders
für Hörtests im Auto stehen Testsignale und Teststücke zur Verfügung. Darüber hinaus
benutzt jeder Tester ein wechselndes Repertoire, das sich nicht nur über besondere
audiophile Aufnahmen definiert, sondern vor allem verschiedenste Musikstile und Anforderungen
aus dem Alltag abdeckt, so dass von Jazz bis Klassik, von Hip-Hop bis Heavy Metal unter allen
Hörsituationen getestet werden kann.
Praxistests
Neben den Tests in Messlabor und Testraum werden die Geräte auf ausgiebigen Testfahrten
im Testfahrzeug getestet. Besondere Beachtung kommt den im Auto relevanten Eigenschaften zu:
z.B. Bedienung während der Fahrt, Empfangs- und RDS-Umschaltverhalten des Tuners, Ablesbarkeit
und Blendfreiheit des Displays, Erschütterungsempfindlichkeit. Die Testfahrten finden auf
festgelegten Routen mit bekannter UKW-Senderlandschaft statt.
Analoges gilt für die Tests von Navigationssystemen. Die Testfahrten finden auf festgelegten
Routen statt, die sich aus den unterschiedlichen Straßenkategorien (Stadt, Land, Autobahn)
zusammensetzen. Bewertet werden im Wesentlichen die gewählten Routen und die Qualität der
optischen und akustischen Zielführung entlang dieser.
Test- und Redaktionsteam
Das Redaktionsteam der CAR&HIFI besteht aus einer Geografin, einem Ingenieur, einem Chemiker
und einem Physiker mit insgesamt 40 Jahren Berufserfahrung im Testen von
Car-Hifi-Geräten. Die technischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Tester
garantieren fundierte, reproduzierbare und objektive Testergebnisse.